History

Der Name Iran taucht erstmals als Eran (Land der Arier) 243 v. Chr. in persischen Königsinschriften auf. Die hier als Arier bezeichneten Ostindogermanischen Stämme der Perser, Meder, Parther, Choresmier, Sogder, Saken, Arachosier und Drangianer waren um 1000 v. Chr. mit anderen indo-iranischen Stämmen aus Zentralasien in den westlichen Iran eingewandert. Durch die Wanderung wurden die Träger älterer Kulturen überschichtet.
Das erste, bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurückreichende Staatsgebilde im Westen des Iran war Elam. Unter elamischem Druck wanderten im 8. Jahrhundert v. Chr. persische Stämme, wohl unter ihrem Anführer Achaimenes (Achämeniden), aus ihren Wohngebieten um den Urmiasee südwärts. Im 7. Jahrhundert v. Chr. eroberte Teispes, König von Parschuma, das sich südöstlich anschließende Anschan und die Landschaft Parsa (das eigentliche Persien), musste jedoch die Oberhoheit der Meder anerkennen. Diese traten zur gleichen Zeit wie die Perser ins Licht der Geschichte. Kyros II. begründete mit dem Sieg über den Mederkönig Astyages (550 v. Chr.) die Vormachtstellung der Perser im Vorderen Orient. Er erweiterte das Reich durch seinen Sieg über den Lyderkönig Krösus (547 v. Chr.) und über Babylonien (539 v. Chr.). Sein Sohn Kambyses II. eroberte 525 v. Chr. Ägypten. Der aus einer Seitenlinie stammende Dareios I. (521- 485 v. Chr.) besiegte den Usurpator Gaumata und baute eine einheitliche Verwaltung des Reichs auf. Er unterwarf die griechischen Kolonien in Kleinasien und Makedonien. Seine Niederlage bei Marathon (490 v. Chr.) verhinderte ein weiteres Vordringen der Perser nach Westen. Seine Nachfolger Xerxes I. und Artaxerxes verloren in den Perserkriegen (490-479 v. Chr.) die griechischen Gebiete. Aufstände und Thronstreitigkeiten unter den folgenden Herrschern schwächten das Reich, so dass es unter dem letzten Achämeniden Dareios III. von Alexander dem Großen nach der Schlacht von Gaugamela im Jahr 331 v. Chr. vernichtet werden konnte. Alexanders Nachfolger in Syrien und Iran wurde Seleukos I. (312-280 v. Chr.), dessen Dynastie (Seleukiden) bis 160 v. Chr. in Iran herrschte. 190-164 v. Chr. gingen die Westprovinzen des Seleukidenreichs an die Römer verloren.
Um 250 v. Chr. kam in Ostiran die parthische Arsakidendynastie zur Macht, die von 150 v. Chr. bis um 224 n. Chr. in ganz Iran herrschte. Sie widerstand den Römern erfolgreich.
224 besiegte Ardaschir I. aus der Provinz Persis (Fars) den letzten Partherkönig und begründete die Herrschaft der Sassaniden in Iran mit zarathustrischer Staatsreligion. Unter Schapur I. (241-272) und Schapur II. (310-379) wurde das Perserreich wieder ein starker Gegner der Römer und Byzantiner. Unter Chosroes I. (531-579) und Chosroes II. (590-628) eroberten die Perser nochmals den ganzen Vorderen Orient und für kurze Zeit Ägypten. Unter dem Ansturm der islamischen Araber zerbrach 642 das Sassanidenreich und wurde ein Teil des Islamischen Reichs.
Im 9. Jahrhundert machten sich nur nominell vom Kalifen abhängige Statthalterdynastien selbständig. Der kulturelle Einfluss der Perser im Islamischen Reich wurde in dieser Zeit immer bedeutender. Um 1040 unterwarfen die türkischen Seldschuken das Reich. Der Einfall der Mongolen unter Hülägü 1256-1258 vernichtete das mittelalterliche persische Reich. Hülägüs Nachfolger, die Ilchane, herrschten bis 1335 (bzw. 1353). Ihre Herrschaft bedeutete eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte. 1382-1393 eroberte Timur das Land und machte es zu einem Teil seines Reichs. Seine Erben, die kulturfördernden Timuriden, herrschten bis 1506 noch in Nordiran.
1502 schuf Ismail I., ursprünglich Meister eines religiösen Ordens, das Neupersische Reich; er begründete die Herrschaft der Safawiden. Unter ihm wurde die schiitische Form des Islams Staatsreligion. Schah Abbas I. (1587-1629) festigte das Reich im Innern und bannte die dauernde Gefahr der Usbekeneinfälle. Er verlegte die Residenz von Tabriz nach Isfahan . 1722 wurde Isfahan von afghanischen Stämmen eingenommen. Nadir Schah (1736-1747), ursprünglich ein Heerführer, vertrieb sie 1729, richtete das neupersische Reich wieder auf und zwang den letzten Safawiden Hussain zur Abdankung. Aus späteren Wirren ging der Kadschare Aga Mohammed (1786-1797) als Sieger hervor. Die Kadscharen-Dynastie regierte bis 1925. In dieser Zeit wurde die Hauptstadt nach Teheran verlegt. Im Osten schuf Ahmed Schah Durrani (1747-1773) das selbständige Reich Afghanistan. Unter dem Kadscharen Fath Ali (1797-1834) musste Iran große Gebiete in Armenien, Georgien und im Kaukasus an Russland abtreten. 1907 teilten Großbritannien und Russland Iran in eine russische (nördliche) und eine englische (südliche) Interessensphäre, die im 1. Weltkrieg von russischen bzw. britischen Truppen besetzt wurden. 1919 sicherte sich Großbritannien vertraglich die Schutzherrschaft über Iran. 1921 unternahm der Befehlshaber der persischen Kosakenbrigade, Riza Schah Pahlewi, einen Staatsstreich. Er wurde 1923 Ministerpräsident, setzte 1925 den letzten Kadscharen Ahmed ab und ließ sich zum Schah ausrufen. Die Regierung Riza Schahs setzte eine Reihe von Modernisierungen auf Kosten der meist bäuerlichen Bevölkerung durch.
Im 2. Weltkrieg (1941) besetzten britische und sowjetische Truppen das Land, und der mit Deutschland sympathisierende Schah musste zurücktreten. Ihm folgte sein Sohn Mohammed Riza Pahlewi. Nach dem 2. Weltkrieg zogen zunächst die britischen Truppen ab, die sowjetischen Truppen folgten 1946. 1951 verstaatlichte Ministerpräsident M. Mossadegh die Anglo-Iranian Oil Company. Der Ausfall der Öleinnahmen führte zu einer schweren Wirtschaftskrise. 1953 wurde Mossadegh gestürzt. Mit Großbritannien kam eine Einigung über die verstaatlichte Ölindustrie zustande, durch die Iran die Hälfte der Einnahmen erhielt. 1955 schloss sich Iran dem Bagdad-Pakt (CENTO) an. Der Schah regierte fortan als Alleinherrscher. 1963 leitete er die „Weiße Revolution” zur Modernisierung des Landes ein (u. a. Bodenreform, Frauenstimmrecht). Eine politische Demokratisierung unterblieb jedoch. Die steigenden Öleinnahmen nutzte der Schah zu Rüstungskäufen und zu einer überstürzten Industrialisierung, die die sozialen Spannungen verschärfte. Widerstand gegen die „Verwestlichung” erhob sich besonders bei den gläubigen Moslems (Schiiten). Seit 1978 kam es zu Unruhen, die den Schah 1979 zum Verlassen des Landes zwangen. Oberste Autorität wurde der Schiitenführer R. Chomeini. Er proklamierte am 1. 4. 1979 die Islamische Republik Iran. In der Verfassung wurde seine Machtstellung als „regierender Gottesgelehrter” verankert.
Zu einem schweren Konflikt mit den USA kam es dadurch, dass 1979-1981 das Personal der US-Botschaft in Geiselhaft gehalten wurde. Der 1980 gewählte, als gemäßigt geltende Staatspräsident Bani-Sadr wurde 1981 von der orthodox-islamischen Parlamentsmehrheit mit Zustimmung Chomeinis gestürzt. Widerstand gegen das orthodox-islamische Herrschaftssystem erhob sich vor allem von linksradikaler Seite. Gegen die oppositionellen Kräfte und auch gegen angebliche „Feinde des Glaubens” ging das Regime mit zunehmender Härte vor.
Das lange gespannte, 1975 durch ein Grenzabkommen bereinigte Verhältnis zwischen Iran und Irak verschlechterte sich wieder. 1980 brach durch einen irakischen Angriff der Golfkrieg aus. Er entwickelte sich nahe der Landesgrenze zum Stellungskrieg. Am 20. 8. 1988 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Danach verhärtete sich der orthodox-islamische Kurs des Regimes weiter. Das von Chomeini 1989 gegen den Schriftsteller S. Rushdie ausgesprochene Todesurteil verstärkte die internationale Isolierung Irans. Nach dem Tod Chomeinis im Juni 1989 wurde zunächst S. A. Chamenei (1981 bis 1989 Staatspräsident) neuer religiöser und politischer Führer. Die politische Führungsrolle ging nach den Wahlen vom Juli 1989 bei einer gleichzeitigen Verfassungsänderung auf A. A. H. Rafsandschani über, der zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Begünstigt durch den Golfkonflikt 1990/91 konnte Iran seine politische Stellung in der Region stärken. Rafsandschani konnte auch die Präsidentschaftswahlen 1993 für sich entscheiden. Seit 1997 ist der als gemäßigt geltende M. Chatami Staatspräsident. Die Parlamentswahlen im Februar 2000 stärkten die reformorientierten Kräfte um den Präsidenten
Landes Natur
Das von Randketten eingeschlossene und durch einzelne Gebirgszüge in zahlreiche, meist abflusslose Hochbecken gegliederte Iranische Hochland hat ein durch die Höhenlage z. T. gemäßigtes, subtropisches, kontinentales Trockenklima und wird großenteils von Wüsten und Steppen eingenommen. Nur am Kaspischen Meer gibt es eine feuchtwarme Küstenebene, über der das Randgebirge im Demawend im Elbursgebirge seine größten Höhen erreicht. Der Ackerbau bedarf meist künstlicher Bewässerung.
Bevölkerung
Die islamische, zu 95% schiitische Bevölkerung besteht zu 50% aus Persern. Daneben gibt es Aserbaidschaner, Kurden, Araber, Armenier, Bälutschen u. a. 3- 4% leben nomadisch . Die Analphabetenquote beträgt trotz gewaltiger Anstrengungen auf dem Bildungssektor rund 48%.
Wirtschaft
Die Landwirtschaft ist Lebensgrundlage von 23% der Bevölkerung. Angebaut werden Weizen, Gerste, Baumwolle, Tabak, Südfrüchte, Jute, Zuckerrohr, Reis, Tee, Wein u. a. Wichtigste Nutztiere sind Schafe und Ziegen. 31% der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten in der Industrie, im Handel und Gewerbe, 46% sind im Dienstleistungssektor tätig.
Die reichen Erzlagerstätten Irans sind noch wenig erschlossen. Die Erdölvorkommen des Landes sind die weitaus wichtigsten Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Rohölförderung stieg von 16 Mio. t (1955) auf 294 Mio. t (1976) an, fiel dann aber durch die innenpolitischen Wirren auf 74 Mio. t (1980) zurück. Seither ist die Erdölförderung wieder angestiegen (1997: 181 Mio. t); die infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Irak zerstörten Verarbeitungs- und Transportanlagen sind größtenteils wieder aufgebaut worden. Mit 12 000 Mio. t (1996) an sicheren Reserven steht Iran an fünfter Stelle aller Erdölländer des Nahen Ostens. Neben dem Erdöl spielt seit den 1970er Jahren das Erdgas eine immer größere Rolle. Iran besitzt die zweitgrößten Reserven der Welt (nach Russland). Gefördert wurden 1997 41 Mrd. m3. Von Erdöl und Erdgas (rund 98% des Ausfuhrwerts) abgesehen, exportiert Iran fast nur Agrar- und Bergbauprodukte sowie Teppiche (Hauptabnehmer: Deutschland). Importiert werden vor allem Industrie- und Konsumgüter, aber auch Nahrungsmittel (Fleisch, Getreide, Zucker).
Verkehr
Das noch recht weitmaschige Verkehrsnetz verfügt über 5090 km Eisenbahnlinien, 152 086 km Straßen (davon rund 55 000 km geteert), 18 Flughäfen und -plätze. Wichtigste Überseehäfen sind Bandar-e Chomeini als Importhafen und Khark für den Erdölexport.